Betreff: Einwände gegen die HSK-Maßnahme Nr.17
Vorlage Nr. B-447/2002
Überarbeitung der Schulnetzplanung


Chemnitz, den 25.11.2002


Sehr geehrter Herr OB Seifert,
sehr geehrte Damen und Herren Stadträte,
werter Schulausschuss,


Unter dem Deckmantel der Haushaltssicherung der Stadt Chemnitz, wurde von Herrn OB Seifert zusätzlich zu vielen anderen Maßnahmen, auch die bereits beschlossene Schulnetzplanung erneut mit dem Rotstift durchforstet.
Betroffen sind lt. Auskunft von Stadtratsmitgliedern insgesamt 11 Schulen unter anderen die Grundschule Mittelbach sowie die Mittelschule Grüna.

Wie lange hat man um einen Konsens zwischen Elternräten und Stadt gerungen um ein tragfähiges Konzept zu erarbeiten, war das alles nur Makulatur?

Die durch die Stadt Chemnitz beauftragte Wibera AG, machte eine Milchmädchenrechnung zur Schulnetzplanung, ohne jedoch Schulen namentlich zu nennen. Demnach sollen im Jahr 2005 durch den Wegfall von 9 Grund- und 2 Mittelschulen ca. ! 313.267,32 € eingespart werden. Es wurden 137.180,64 € für eine zusätzlich anfallende Schülerbeförderung bereits abgezogen, nur wie sieht diese aus? Wieder total überfüllte Busse, aus Zeiten, als sich Deutschland noch im Wirtschaftswunder befand? Ebenfalls betroffen von der Haushaltssicherung ist ja auch die CVAG, die auf Fördergelder von 12 Mio. € verzichten soll, diese Einnahmeausfälle werden sich auch auf die Beförderungskosten auswirken und dann sind die 137.180,64 € mit Sicherheit nicht mehr zu halten!
Des Weiteren kommen auf die Stadt durch die Schließung dieser Schulen ja noch weitere Kosten hinzu, nicht nur die der Beförderung, die aufnehmenden Schulen haben innerhalb weniger Jahre einen wesentlich höheren Sanierungs- und Umbaubedarf, was ohne die Schließung mit Sicherheit nicht sofort nötig wäre, gerade in Zeiten knapper Kassen.
Wollen Sie von Schulanfängern allen Ernstes verlangen, mit überfüllten Linien- oder Schulbussen den ersten Schultag zu beginnen? Oder den Schulweg, bedingt durch Fahrpläne und Entfernungen, die, für Grundschüler besonders wichtige, Freizeit verkürzen? Rechnen Sie gar damit, dass die besorgten Eltern, deren Vertrauen in deutsche Großstadtschulen längst erschüttert ist, Ihre Sprösslinge mit dem Auto von der Schule abholen? Umverteilung zu Lasten der Kinder und Familien ist keine Lösung! Die Kosten für Jugendhilfemaßnahmen sind jetzt schon enorm, durch solche Aktionen verschärfen Sie dies um ein vielfaches.

In den letzten Jahren wurden öffentliche Gelder in nicht unerheblichen Maße in die Sanierung der Grundschule Mittelbach (Trockenlegung, Turnhalle, Eingangsbereich, Schulgarten, Fenster, Brandschutz uvm.) und der Mittelschule Grüna (Trockenlegung, Turnhalle) gesteckt.


Durch Eltern-, AWO- und Lehrerinitiativen gehört das Bildungs- und Freizeitangebot dieser Schulen wohl zum Besten was Chemnitz zu bieten hat
In Mittelbach:
6 AGs, von der privat finanzierten Computer AG, über freiwillige, durch unbezahlte Lehrer- und Elternarbeit ermöglichte, Sport, Chor, Keramik, kreatives Gestalten uvm., die der Stadt keinen müden Cent abverlangen.
Gleiches gilt für die Mittelschule Grüna, mit Aktivitäten, die in Chemnitz bei Mittelschulen kein vergleichbares Gegenstück hat und die am UNESCO Schulprojekt teilnimmt, also eigentlich 2 Vorzeigeschulen für Chemnitz.
Zugegebener Maßen sind beide Schulen derzeit nicht zu 100% ausgelastet, heute!
Schaut man sich die Kindergärten, insbesondere die total überfüllten Kindergärten in Mittelbach und Grüna an, werden wohl in den nächsten 3 bis 5 Jahren beide Schulen ausgelastet sein, was dann? Schließung 2005 und Reaktivierung 2006?

Was passiert mit unseren Sporteinrichtungen wenn diese nicht mehr schulisch genutzt werden? Erst für teures Geld saniert dann unnütz? Oder wird das dann durch eine Erhöhung der Turnhallennutzungsgebühr für die Kindergartenkinder aufgefangen?

Was wird aus der Nachnutzung? Entstehen denn da gar keine "Bewirtschaftungskosten"? Oder lässt man die Gebäude einfach verfallen?

Warum wurden weder die Schulleitungen, noch die Elternvertreter, noch die AWO als Träger des Horts von den Sparplänen informiert?

An Ihrer Wibera -Studie scheint vieles faul zu sein, warum sonst, erhält kaum jemand Einblick bzw. keiner kopierrecht?
Es scheint vieles unbedacht, manches fehlgerechnet und kopflos zu laufen in Chemnitz.
In Zeiten leerer Kassen sind wohl zu allererst scheinbar lobbylose Gruppen der Bevölkerung dran, doch gerade diese sind unsere Zukunft, schon mal darüber nachgedacht?


Wir werden für den Erhalt dieser Schulen kämpfen, diese Schulen sind notwendig und werden gebraucht, lernen wir doch endlich einmal von den Fehlern die in den alten Bundesländern gemacht und nun für sehr viel teureres Geld rückgängig gemacht werden müssen!


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