Protest??
Still,
ja geradezu klammheimlich durchstöberte ein, seine Prestigeobjekte verteidigender,
Oberbürgermeister von Chemnitz,
eine Studie der eigentlich recht renomierten Kommunal - und Wirtschaftsberatung
WIBERA. Taten sich doch riesige Löcher
im eh schon stark belasteten Haushalt der Stadt auf und siehe da ....... die
längst abgeschlossen geglaubte Schulnetzplanung
wurde zum Objekt der Rotstiftbegierde....
Für
was brauchen wir Kinder, Kindergärten, Schulen oder Horteinrichtungen?
Tassenbrunnen, Wanderhalle uvm.
sind weit aus wichtiger als jeder müde Euro, der die Schulen, Kindergärten
und Horteinrichtungen unterstützen könnte....
Haushaltssicherung
heißt das Zauberwort. 75 Mio € müssen doch irgendwie einzusparen
sein. Macht sich einer eine Vorstellung,
wie viel Tassenbrunnen man davon kaufen könnte... Wobei ein netter, neuer
Drehsessel aus Büffelleder wäre doch auch ganz
schön und vor allem könnte man die Kritiken weitaus relaxter vertragen,
die angefangen als laues Lüftchen langsam zum Orkan
werden...
Die
Bösen sind doch die Anderen... warum brauchen denn meine Mitarbeiter
eine Lohnerhöhung? CVAG, Zuschüsse... sind wir
denn im Schlaraffenland? Mein Dienstwagen ist immer vollgetankt, ich brauch
keine Straßenbahnfahrkarte...... und überhaupt
wer mit der CVAG zur Arbeit fährt, wird wohl mehr ausgeben können........
Parken kostet ja auch Geld...... bald sogar noch mehr.....
Willst du in den Tierpark gehen, will ich auch mehr Scheine sehen.... Vorschlag
zur Güte.... warum denn nicht Eintrittsautomaten für
Spielplätze oder noch besser: Erhebung einer Verwaltungsnutzungsgebühr
beim Betreten einer öffentlichen Einrichtung.....
Aber nun mal im Ernst:
Dass
die Stadt sparen muss, versteht jeder. Dass wir ein kleines Stück unserer
gewohnten Sozialleistungen zurückschrauben müssen
auch, wenn man aber nur versucht seine Prestigeobjekte um jeden Preis durchzupauken,
die Lobby verschiedener "einflussreicher"
Bevölkerungsgruppen zu befriedigen und dafür zigtausende, um nicht
zu sagen Millionen draufgehen zu lassen, ist das dann legitim?
Wenn eine Familie in finanziellen Engpässen steckt, muss Sie sparen und
zwar beim Luxus zuerst. Man täte sich keinen Gefallen
und warscheinlich auch nicht den Kindern, wenn man zwar im Daimler oder BMW
vor der Schule vorfährt, die Kinder aber
abgehungert und nackt in die Schule schickt. Zugegeben ein krasser Vergleich
aber ein treffender!
Wann,
wenn nicht jetzt, packen wir die Chance, die in dieser Misere steckt beim
Schopfe und strukturieren unseren Stadtapparat um?
Eine Zukunftschance haben wir nur durch unsere Kinder, doch wir machen Sie
handlungsunfähig noch bevor Sie ihren ersten Euro
selbst ausgeben konnten. Wer heute Kinder und deren Bedürfnissen Sparzwängen
unterwirft, Kindergärten, Schulen und Freizeitangebote
schließt oder überproportional verteuert, schaufelt in munterer
Sparweise sein eigenes Grab. Es ist ein weitaus erstrebenswerteres Ziel
die schönste Bushaltestelle Europas, das schönste Zentrum (worüber
sich leicht streiten lässt) oder die schönste Halle zu haben, anstatt
die
kinderfreundlichste und damit zukunftssicherste Stadt zu sein. Auch damit
kann man sich ein Denkmal setzen, es bedarf keines
Tassenbrunnens. Dass man sich mit behindertengerechten öffentlichen Einrichtungen
und Verkehrsmitteln beliebt macht, haben alle
Städte begriffen, ist es aber nötig, dass morgen für morgen
Kinder wie Ölsardienen in teilweise total überalterten Bussen in
die Schule
"gekarrt" werden?
Wir
brauchen ein Sparprogramm für Chemnitz, aber viel wichtiger ist ein Investitionsprogramm
Zukunft!
Es kostet nur Bruchteile davon, was unser Prestige verschlingt, doch in einigen
Jahren wird es unbezahlbar sein.
Thomas Zügel